Warum sind wir eine Yogamaufaktur? Was bewegt uns dazu und was unterscheidet uns vom 'normalen' Handel?!

Eigene Wertschöpfung:

Da nicht jeder Mensch Selbstversorger ist, benötigt man auf der ganzen Welt Handwerker, Werkstätten und Fabriken welche die benötigten und gewünschten Produkte herstellen. Egal ob es Brot, Kaffeetassen, Steckdosen, Brillen, Schuhe, Bettwäsche, Smartphones, Yogamatten oder gar Autos sind - kaum jemand kann diese Produkte selber herstellen. Da dank Industrialisierung und Globalisierung die Produktion immer günstiger und effektiver geworden ist, benötigt es den Handel - welche die Wege zwischen den Herstellern und Kunden überbrücken können. Generationen von Händlern und Handelsreisenden schafften die Verbindung mit Karawanen und Schiffen zwischen den Herstellern und den Kunden. 

Dank Internet, Vergleichsportalen und großen Handelsplattformen werden die Handelsmargen immer geringer und für gängige, austauschbare und vergleichbare Produkte gilt: es gibt immer jemanden, der billiger, schneller oder effizienter herstellen oder verkaufen kann. Dummerweise werden im Zuge dieser 'modernen' Handelspraxis die Menschen in der Lieferkette mehr und mehr ausgebeutet, von der Umwelt wollen wir gar nicht reden. 

Damit die Wirtschaft mit dem Wachstumsanspruch weiter funktioniert, muss eben mehr konsumiert werden, die Produkte sollten weniger lang halten, die Herstellung effizienter werden, die Arbeitskraft billiger - ein Teufelskreis, welche wie auf einem wilden Jahrmarktkarussel den Profit und Shareholder-Value in den Mittelpunkt stellt und die Menschen immer weiter und schneller aus einem gesunden Leben hinauskatapultiert. Wir wollen das nicht! 

Wir wollen kein Teil dieses kranken und krebsschwürigen Wirtschaftsmodells sein. Wir wollen aus unserer eigenen Arbeit vernünftig, gesund und nachhaltig leben und arbeiten können. Das sehen wir am Ehesten gegeben mit eigener Wertschöpfung, mit überwiegend eigener Produktion, mit selbstbestimmtem und transparentem, ethischem Handeln und dem fairen Umgang mit allen involvierten Menschen, egal ob Mitarbeiter, Dienstleister, Handels- und Manufakturpartnern sowie Kunden.

Transparenz in der Lieferkette

Mittlerweile hat die ganze Welt erkannt, dass unsere Erde quasi an allen Ecken brennt, dass wir als Menschheit in Schwierigkeiten sind, dass Artensterben, Wassermangel, Erderwärmung, Überbevölkerung,  Wirtschaftsmigration und Ressourcenverschwendung unser aller Leben mittel- und langfristig verändern wird. 

Das schlägt sich nieder in der Bewerbung von allen möglichen Produkten: die Trauben aus Südafrika im Supermarkt sind alle 'Bio' und die T-Shirts beim Discounter sind auf einmal 'sozial fair' hergestellt. Soso - und mit den schönsten Labels und Zertifikaten wird 'nachgewiesen' dass die Erde und die Menschen maximal geschützt werden. Da wir selber auch einige Zertifizierungen haben müssen wir leider zugeben: es ist nicht alles Gold was glänzt. Nicht jedes Zertifikat wird verliehen für die besten und ehrlichsten Bemühungen - sondern eben nach der Einhaltung von aufwendigen Dokumentationsstandards und - psssst, hüstel, ähem - dem Bezahlen einer oftmals nicht unerheblichen Audit- / Inspektions- / Lizenzgebühr. 
Dann gibt es schicke Zertifikate, Siegel, Labels und Signets, obendrauf die ganze Marketingsprech, welche sich durch die ganze Handelswelt inflationär und immer weniger glaubwürdig breit macht: fair, sozial, bio, nachhaltig.
 
Mittlerweile gibt es ein geflügeltes Wort in der Nachhaltigkeitsszene: das schärfste Schwert der Nachhaltigkeit ist die Transparenz.

Und deswegen nennen wir in unseren Newslettern Roß und Reiter, machen die Herkunft unserer Produkte sowie unsere Arbeit transparent und stehen auf alle - auch gerne kritischen - Fragen Rede und Antwort. Das ist sogar Chefsache: jl@bausinger.de

Flexibilität und Anpassungsfähigkeit

Vielleicht mal eine kleine Gegenüberstellung von der Fertigung in einer regional agierenden Manufaktur und einem großen globalisiert agierenden Handelsunternehmen:

So funktioniert der globalisierte Online-Handel: 

Stellen wir uns vor, wir wären ein großer Onlinehändler für Textil-Schnickschnack und ein gewiefter Marketinganalyst stellt fest: Oooh - Yoga boomt, alle meditieren zuhause und wir brauchen nun für die kommende Verkaufssaison mindestens 500 rote Sitzkissen. In der globalisierten Welt wird nun beim Importeur angerufen und der Kaufwunsch geäußert. Der prüft bei seinen Lieferanten die Liefermöglichkeit. Asiatische Geschäftstüchtigkeit sagt: "...can do!" Aber statt 500 Kissen müssen leider 1000 gekauft werden - Stoffverbrauch, Auslastung der Produktion, Anteil der Transportkosten, Mindermengenzuschlag, Etiketten & Beileger werden bestellt, Zertifizierungs- und Prüfkostenanteile  - es wird gerechnet, kalkuliert, verglichen und verhandelt. 
Handelsmargen werden drauf gerechnet, Werbekostenzuschläge, Retourensabschläge, Währungsausgleiche, Zahlungsziele und Vertragsstrafen ausgehandelt. Es geht 'top urgent' hin und her und endlich gibt es einen vorerst finalen Preis. Puuh - der Kaufvertrag wird unterschrieben. 

Da das Firmenkonto für größere Einkäufe meist nicht ausreicht folgt der Anruf bei der Hausbank - Kreditlinie bei der Bank erweitern, Sicherheiten über bestehendes Warenlager oder sonstige Assets unterschreiben, zur Sicherheit noch eine Ausfallversicherung abschließen - die Hausbank besteht darauf und hat auch gleich den richtigen Versicherungsmakler an der Hand. Wenn soweit alles passt überweist die Hausbank direkt aus dem abgesicherten Firmenkredit die Anzahlung für die Bestellung von 1000 Kissen an eine Bank in Fernost mit unaussprechlichem Namen. Die Maschinerie des globalisierten Imports läuft an, in der fernostasiatischen Provinz klappern die Webstühle für den Stoff.

Nach ein paar Tagen kommen die ersten Produktionsmuster per Express und Luftfracht. Verdammt, der Rot-Ton passt nicht, der Produktmanager zieht erst den Kopf ein dann fährt er die Ellbogen aus, das kann ja nicht wahr sein, die Photomuster sahen anders aus, der Verkaufsleiter äh Multi-Channel-Senior-Salesmanager tobt, es sollte doch ein anderer Pantone-Farbton sein, die ganze Procurement-chain sind doch alles Under-performer. Große Entschuldigung (... ok, der Stoff wäre halt gerade verfügbar gewesen ...), aber so wird der gewünschte Stoff selbstverständlich nachgewaschen und nachgefärbt, in einen kleinen Fluss irgendwo im Hinterland der großen zertifizierten Nähereien mischt sich nächtens ein wenig Rot ins ziemlich getrübte Wasser.

Lily, Jessy, Lucy und Jenny nähen geschickt und sehr geübt in Höchstgeschwindigkeit die Kissenhüllen zusammen - überprüft von einer strengen und unerbittlichen Qualitätssicherung. Die Abnäher und Falten stimmen laut Schablone auf den Millimeter, die Nähte sind supersauber, die Fadenspannung stimmt - Maßabweichungen, Ölflecke und lose Fadenreste geben Abzug. Die MitarbeiterInnen sitzen in frisch gestärkten Arbeitsuniformen ordentlich in langen Reihen in einer ergonomisch und arbeitsflusstechnisch optimierten Fabrikhalle. Ok, es ist vielleicht ewas laut, aber das Licht ist gut und natürlich ist die Näherei zertifiziert und akkreditiert und überhaupt: eine Vorzeige-Näherei mit vielen renommierten und internationalen Kunden. Nur die Kisseninletts und Griffschlaufen werden in der Hinterhof-Näherei des Cousins des Firmeninhabers 3 Straßen weiter gemacht (...very cheap, very fast, nobody will see or check anyway...)

Nach 10 Wochen legt dann der Schweröldampfer in Europa an und spuckt seine Container aus. Verzollung, Importsteuer sind nur noch Formsache und ab geht es ins EAN-Barcode-gesteuerte Verteillager des großen Onlinehändlers. Kistenschubser nennt man dort die Mitarbeiter, Krampfadern sind Berufskrankheit. Bald sind die roten Sitzkissen - bester Preis, natürlich bio und sozial fair mit viel Liebe hergestellt - im Angebot des Onlinehändlers auf der ersten Seite. 428 gute Beurteilungen und 12 Influencer können sich nicht irren. Ach so: Black Friday und 40% Rabatt sind mit einkalkuliert, nach 20 gelieferten Kissen sind diese aber leider nicht mehr lieferbar - tja, nur der frühe Vogel...

Aber Hauptsache die Online-Werbung läuft mit Riesenrabatt-Zeichen und setzt den Wettbewerb unter Druck. Der kann natürlich auch rechnen, kennt die üblichen Marketing-Spielchen und zieht mit. Na - ob nächstes Jahr 50% gegeben werden können - dann halt nur 15 Kissen?!

Nach 780 verkauften Kissen verebbt der Trend. Hmm - der Lieferant bekommt zur eigenen Profitsicherung einen Qualitätsclaim aufgebrummt (...Einlaufwerte und Reibechtheiten von Bio-Baumwolle sind da immer gern genommene 'Probleme'...), die restlichen 220 Kissen werden umgelabelt und mit einem günstigen Starter-Bundle als Aktion unter einem Low-Key-Branding verramscht. Puuh - war nicht einfach, aber 8 % Profit waren drin. Super, läuft, weiter gehts - was, echt?! Wandern boomt? Schnell, wir machen Wanderhosen! 

Zugegeben: ... das ist etwas überspitzt, aber wer sich in der Textilszene ein wenig auskennt - das ist nicht soo weit weg von der Realität. Leider. Und sie dürfen mal raten, woher wir das kennen könnten...

Und nun das Arbeiten in einer regional agierenden Manufaktur:

Bei uns in der Bausinger Yogamanufaktur läuft die Produktion dagegen so ab - Blick in den Lagerraum unserer kleinen Nähwerkstatt: ist ausreichend Stoff da? Sind die Füllstoffe von unserem Bio-Hof vom Bodensee da? Sind die Reißverschlüsse vorrätig? Ansonsten müssten wir noch mal kurz bei unserem Nähzubehör-Händler in Albstadt-Ebingen (5 km) vorbei schauen. Gut, dann fangen wir mal an. Zuschnittschablonen liegt parat, holen wir die Rolle mit dem roten Baumwollstoff aus dem Lagerraum rüber.

OK, fancy und modische Sonderfarben gibt es bei uns erst mal nicht, dafür haben wir unsere 10 bewährten Bio-Baumwoll-Farben, welche in Deutschland bei unserer Deckenweberei exklusiv für uns immer wieder auf Vorrat gewebt und gefärbt werden. Übrigens schadstoffgeprüft und GOTS zertifiziert - aber das sei nur am Rande erwähnt.

Die meisten und gebräuchlichsten Standardkissen näht und füllt unsere Werkstatt für behinderte Menschen knapp 120 km von uns entfernt. Und das schon seit über 25 Jahren und gerne auch in größerer Stückzahl. Bestellmengen sind bei uns keine Tausend, dafür aber im Dutzend, so können wir auch schnell auf geänderte Farb- oder Formenwünsche reagieren und bedarfsgerecht herstellen. Und ein Dutzend Kissen passen in den großen Versandkarton, welchen wir zwischen Behindertenwerkstatt und unserem Lager hin und her wandern lassen.

Da wir immer wieder selbst in die Behindertenwerkstatt fahren, sind auch direktes Feedback, Problemlösungen, Sonderaufträge und schnelle Bestellungen kein wirkliches Problem. Die Zusammenarbeit ist eingespielt und läuft, unsere Bestellungen haben in der Regel genügend Luft und Freiraum für eine 'gemütliche' Produktion - Behindertenwerkstätten arbeiten nicht nach dem Gebot der Effizienzsteigerung, sondern nach dem Credo der Sinnerfüllung für die Behinderten. Da ist nichts mit Score-Cards und Prozess-Optimierung...

Einzelfertigungen, Sondergrößen, Kleinserien und Musterentwicklungen machen wir bei uns im Haus. Ganz ohne Ausfallversicherung und ohne ausgeklügelte Kalkulationsspielchen. Wir gönnen uns den Luxus einer vereinfachten Produktkalkulation: Arbeitszeit + Rohstoffe + Gemeinkostenzuschlag = Verkaufspreis. Fertig.

Das geht normalerweise sehr schnell, die Produktion dauert keine 10 Wochen, verbraucht kein Schweröl und versaut kein Flußwasser in Fernost-Asien, die Lieferkette ist völlig transparent und für uns absolut ausreichend. Hoffen wir, dass es so bleiben kann - auch wenn wir die nächste Black-Friday-Rabattaktion wieder nicht mitmachen.

Dafür bringen wir am Nikolaustag wieder 120 Tütchen mit Schokolade, Keksen, Obst und Nüssen in unsere Behindertenwerkstatt. Und es ist uns ehrlich gesagt egal, wieviel Prozent uns das jetzt wieder vom Profit kosten mag...

Kreativität

Wir haben bei uns in der Yogamanufaktur eine eigene Werkstatt mit einigen Nähmaschinen, Stickmaschine, Zuschnitttisch, einem gut gefüllten Lager an Stoffen, Füllmaterialien und sonstigem Nähzubehör.

Und wenn dann wieder eine Kundenanfrage oder eine Idee aufpoppt, ist es nur ein kurzer Weg zur Umsetzung. Das ist der Vorteil der eigenen Werkstatt im Haus: kurze Wege, qualifizierte und praktisch veranlagte Mitarbeiter, die sich auskennen, die Erfahrung haben und auch noch kreativ mitarbeiten.

So haben wir so manches Produkt aus der Taufe gehoben: Egal ob Kissen in einer Sonderform, Yogamatten mit Schurwoll-Mittenteil (Sonnengrußmatte), Sitzkissen mit Korkstoff, Taschen aus altem Jeansstoff, Kräuterkissen, zu Coronazeiten unsere Mund-Nase-Masken, Kinderplüschtiere aus Wollfilz, Pulswärmer und Muffs, Babydecken und Hundekörbe, Yogamatten-Tragesysteme und Korkstoff-Einkaufstaschen.

Dies und vieles mehr entspringt der kreativen Ader unseres Nähteams und es schaut so aus, als ob da noch mehr kommen könnte:
Hat jemand Interesse an einem Meditations-Poncho?
Eine Notebook-Tasche aus Korkstoff?
Einen maßgeschneiderten Auto-Sitzbezug aus Schurwolle?
Eine Auflage für die heimische Bierbank?
Eine passgenaue Rutschmatte für den Kofferraun des Autos aus alten Yogamatten?
Und so weiter - wir sind offen und freuen uns auf ihre Anfragen!

Regionalität und lokale Arbeitsplätze

Viele wissen es vielleicht nicht: über 85 Prozent unseres Sortiments von rund 600 Artikeln für Yoga und Meditation kommen aus einem Umkreis von 150 km um unsere Yogamanufaktur oder gar aus der eigenen Werkstatt. Schon der Firmengründer Frieder Bausinger wollte seine Kunden und Lieferanten persönlich kennen und war sich nicht zu schade, sich ins Auto zu setzen und vor Ort Hallo zu sagen.

Diese Tradition führen wir heute fort und so ist es für uns eine Selbtstverständlichkeit, dass wir mit unseren Dienstleistern, Zulieferern und Lieferanten ab und an mal einen Tee oder Kaffee trinken und uns persönlich und von Angesicht zu Angesicht austauschen. Was dabei unausgesprochen mitschwingt: wir sprechen die gleiche Sprache, wir haben das gleiche Qualitätsverständnis, wir bezahlen die gleichen Steuern und Abgaben, leben im gleichen Wirtschafts- und Wertesystem. Es gilt Leben und Leben lassen.

Von daher haben wir zwei Grundprinzipien im Umgang mit unseren Lieferanten unausgesprochen etabliert und diese werden gern akzeptiert: Wir führen keine harten Preisverhandlungen und haben keine langen Zahlungsziele. Genauer: wir bezahlen nach Möglichkeit unsere Rechnungen innerhalb eines Tages - unser erklätes Zahlungsziel ist "1". Das ist ein wenig im Gegensatz zu dem, was rechenstarke Controller und Globalisierungs-erfahrene Manager machen würden. Aber egal - es fühlt sich richtig und gut an.

Und Margitta, Andrea, Joanna, Karsten, Peter, Jörg, Martin und wie sonst unsere Dienstleister heissen mögen - sie alle wissen: gute Arbeit wird gut und vor allem schnell bezahlt. Keine Zitterpartie, kein Hinhalten, keine Salamitaktik - ehrliches Geschäftsgebaren und ehrbare Kaufmannschaft. Deshalb sind wir übrigens auch als Mitglied in die Ethik Society aufgenommen worden.

Ebenso ist es mit unseren Mitarbeitern: keiner unser angestellten Mitarbeiter verdient weniger als 14 Euro in der Stunde - das ist deutlich mehr als der gesetzliche Minimumlohn und nach unserer Einschätzung ein fairer Stundenlohn und erlaubt ein komfortables, selbstbestimmtes und wirtschaftlich nachhaltiges Leben - inklusive der Chance auf eine vernünftige und bedarfsgerechte Altersvorsorge.

Im Gegenzug haben wir das Glück motivierte und engagierte Mitarbeiter zu haben, welche nicht nur ihren Job machen, sondern neben ihrer Arbeitskraft auch Herzblut, Freude und Persönlichkeit mitbringen. Das ist für uns der Unterschied zwischen einem beliebigen Job, den man für das Gehalt macht und einer sinnerfüllten Arbeit, die man für das Wohl von allen leistet. Unser gutes Betriebsklima - für uns der wichtigste Werte in der Yogamanufaktur - ist ein Indikator und Gradmesser für die Gesundheit des Unternehmens.

Steuern, Abgaben & Solidarsystem

Als Unternehmer ist ja man gerne versucht zu glauben, dass der Erfolg eines Unternehmens sich am Net-Profit am Ende des Bilanzjahres bemisst. Das ist zumindest einhellige Meinung von Steuer- und Unternehmensberatern, ganz zu schweigen von Finanz- und Vermögensberatern.

Tja, hmm - wir tun uns schwer damit. Wer unsere GmbH-Bilanz aufmerksam liest, stellt fest, dass wir - sagen wir mal - 'optimaler' arbeiten könnten. Wareneinkauf? Zu teuer! Handelsmarge? Zu wenig! Personalkosten? Oh, Gott - zu hoch! Ausgaben für Dienstleister oder Werbung? Da ist aber schon noch Einsparpotential....

Daraus folgt: Sozialabgaben als Variable der Personalkosten - sind ziemlich hoch. Lohnsteuern? Jepp, auch hoch. Krankenversicherungsbeiträge sind prozentual abhängig vom Bruttolohn - naaaaa?! Rentenversicherung? Betriebliche Altersvorsorge? Arbeitgeber-Anteile? Leistungszulage? Jawohl, unsere Mitarbeiter sind uns etwas wert - und das ist auch gut so.

Dazu kommen noch Gewerbesteuer, Einkommenssteuer und damit noch nicht genug: Spenden und freiwillige Beiträge in diverse nachhaltige Projekte leisten wir auch noch.  

Immer nach dem Motto: wenn ich bei meinem Bäcker im Ort die Brötchen kaufe, kann sich seine Frau abends den Yogaunterricht bei der Yogalehrerin im Nachbarort leisten und alle paar Jahre auch mal eine Yogamatte bei uns kaufen. Wir sind miteinander verbunden und hängen mehr oder weniger voeinander ab...

Diese Denke ist leider in der 'modernen Wirtschafswelt' ziemlich fremd. Da geht es um Effizienz, Profit, Maximierung, Einsparpotentiale, Performance und letztlich kluge und rechtlich ausgeklügelte Vorteilnahme und Ausnutzung von Systemen, das Sparen oder Vermeiden von Steuern und Abgaben, etc. Mag ja alles betriebswirtschaftlich richtig sein - aber ist es denn auch ethisch richtig? Für uns mündet das in die Fragen: auf wessen Kosten hab ich meinen Gewinn?! Auf Kosten von Natur & Umwelt? Auf Kosten der Mitarbeiter und Lieferkette? Auf Kosten von übervorteilten Kunden? Oder auf Kosten von Staat und Gesellschaft?!

Wenn wir als Unternehmen am Gehalt sparen, schwächen wir die Kaufkraft unserer Mitarbeiter, schwächen deren wirtschaftliches Umfeld - und treiben Raubbau am Selbstwertgefühl. Wenn wir Steuern und Abgaben sparen, schwächen wir das Solidarsystem - und nötigen die Politik zu weiteren Steuererhöhungen und Umverteilungen sowie Versicherungskassen zu Beitragserhöhungen. 

Wenn wir als Unternehmen unseren Profit maximieren, mag das den Eigentümer vielleicht finanziell reicher und wirtschaftlich 'gewichtiger' machen - aber es entbindet den Eigentümer nicht von der Verantwortung mit der erwirtschafteten Energie (... wir sehen Geld im yogischen Sinne als eine Form der kondensierten Energie an...) hauszuhalten und verantwortlich umzugehen. 

Kurz: wir sehen ein Unternehmen nicht als Selbstzweck zur Bereicherung der Inhaber, sondern als wirtschaftlichen Organismus zur Kräftigung und Gesunderhaltung aller damit verbundener Interessensgruppen - egal ob Lieferkette, Mitarbeiter, Dienstleister, Kunden oder Gesellschaft. Dieser Gedankenansatz nennt sich 'Gemeinwohl' und das Wirtschaftsmodell dahinter nennt sich 'Gemeinwohl-Ökonomie'. Und da sind wir nicht ganz zufällig Pionier-Unternehmen und recht aktiv in der Bewegung.